Schmetterlingsflügel (52 Seiten)

habe ich meinen fünften Gedichtband genannt, der zeitgleich mit Irgendwo in Südfrankreich entstand. Eigentlich ist es nicht meine Art, an zwei Gedichtbänden gleichzeitig zu arbeiten. Meine Gedichte spiegeln ein wenig meinen eigenen Lebensweg wider, daher veröffentliche ich sie bewußt in der Reihenfolge, in der ich sie geschrieben habe.


Dieses Buch jedoch trägt den Untertitel Gedichte für einen Freund, und das nicht ohne Grund. Ich denke, daß ihm sozusagen ein eigener Gedichtband zusteht, denn er war ein ganz besonderer Mensch. Nebenbei konnte ich auf diese Weise ein ausgesprochen banales Problem lösen: Es gab zwei Menschen in meinem Leben, die mich dazu bewegt haben, bestimmte Gedichte zu schreiben. Der unwissende Leser könnte diese beiden Menschen leicht verwechseln, denn sie hießen beide Andreas.


Neben Gedichten wird dieses Buch auch die Kurzgeschichte Take me home beinhalten. Eine Geschichte über einen kurzen Besuch im Jenseits.
Auf den ersten Blick mögen einige Gedichte in diesem Band melancholisch, vielleicht sogar traurig erscheinen. Auf den zweiten Blick tun sie das nicht mehr. Denn ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Ich weiß nicht, wie es aussieht, wo die Menschen hingehen, wenn sie sterben. Doch dieser Glaube spiegelt sich in den Gedichten wider.

Nachfolgend eine Auswahl aus Schmetterlingsflügel:

Ich möchte Dir eine Wiese schenken,
satt und grün.

Weiches Gras,
das sanft Deinen geschundenen Körper liebkost.


Ich möchte Dir einen Baum schenken,
der Dich vor der heißen Sonne schützt.

 

Ich möchte Dir einen See schenken,
der Dir Kühlung bringt,
dessen Wasser Dich dahintragen soll.

 

Und wenn Du morgens erwachst,
auf der grünen Wiese,
unter Deinem Baum,
wenn Du leise das Wasser plätschern hörst,

dann möchte ich,
daß Du für einen kurzen Moment an mich denkst.

Du gibst zuviel von Dir preis,
hat meine Mutter einmal gesagt.

 

Nein,
denke ich,
ich trage meine Gefühle,
meine Gedanken,
in die Öffentlichkeit.

 

Doch ich packe sie ein,
in Worte,
so wie eine Mutter ihr Kind in eine warme Jacke packt,
bevor sie es zum Spielen auf die Straße läßt.

 

Dann erst lasse ich sie hinaus,
damit sie die Welt sehen,
damit sie tief Luft holen können.

 

Damit sie nicht ersticken,
in mir drin.

Schmetterlingsflügel III

 

Ein Schmetterling auf einer Blüte,
Zwei drei Mal klappt er
mit seinen bunten Flügeln.

 

Und ich frage mich,
ob er wohl weiß,
wie schön er ist.

 

Eine Weile schaue ich ihm zu,
wie er von Blüte zu Blüte fliegt,
ohne einen Gedanken
an das Morgen zu verschwenden.

 

Eine Weile begleite ich ihn
auf seinem Weg.

Sehe meine Sorgen,
meine Ängste,
weit fort tief unter mir.

 

Für einen Moment fliegen wir in den Tag hinein,
als gäbe es kein Morgen.

 

Für einen Moment reite ich
auf den bunten Flügeln eines Schmetterlings.

Es gab einmal eine Zeit,
da habe ich gehaßt.

 

Ich habe mich gehaßt,
denn ich war so naiv.

 

Ich habe meine Gefühle gehaßt,
denn sie waren an allem schuld.

 

Ich habe meinen Verstand gehaßt,
denn er hat tatenlos zugesehen.

 

Ich habe meine Seele gehaßt,
denn sie hat sich nicht gewehrt,
als sie getreten und geschlagen wurde.

 

Und ich frage mich,
warum zum Teufel
habe ich nicht von Anfang an nur Dich gehaßt?

Es gab einmal eine Zeit,
da sah ich uns beide als zwei Vögel,
die gemeinsam in den Sonnenuntergang flogen.

 

Irgendwo über dem Meer haben wir uns verloren.
Lange habe ich nach Dir gesucht,
bis ich irgendwann mich selbst verlor.

 

Lange habe ich nach mir selbst gesucht,
bis ich das fand,
was von mir übrig war.

 

Ein hilfloses Häuflein Elend,
an einem Stück Treibholz sich festklammernd,
mitten auf dem Meer,
verzweifelt auf Hilfe hoffend.

 

Mit gebrochenen Flügeln nahm ich es mit mir,
das Häuflein Elend.

 

Pflegte es gesund,
und hoffe noch immer,
daß es irgendwann wieder wird fliegen können.

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